Das geliebte Gesicht beugt sich lächelnd über ihn, die blauen, von Falten umgebenen Augen leuchten, der Mund berührt seine Lippen. Er erwacht, bleibt still liegen, schmeckt dem Kuss nach. Vielleicht sitzt sie jetzt neben ihm. Zaghaft öffnet er die Augen, blickt sich um. Er ist allein. Durch die geschlossene Tür hört er Radiomusik und das Klappern von Geschirr.

Kurz vor der Haustür wirft sie einen Blick zurück. Ein großer Hut kommt langsam die Straße herauf, die schmale, hohe Gestalt darunter hält eine Aktentasche umklammert. Sie erstarrt. Was in aller Welt will er denn hier? Hat sie eine Verabredung vergessen? Er muss auf dem Weg zu ihr sein. Sie hastet zur Tür, der Schlüssel entgleitet ihrer Hand, klirrt auf den Eisenrost der obersten Stufe. Endlich steht sie im Flur, lehnt an der Wand und wartet, dass ihr Atem nicht mehr so rast, als sei sie den ganzen Weg von der Straßenbahnhaltestelle am Ascheweg gelaufen.

Sie betrat den schummrigen Raum mit der Brötchenplatte in den Händen. Zwei Pärchen schlurften auf der freigeräumten Eßzimmertanzfläche einen Klammerblues, der Freund ihres Bruders mit der Schmalzlocke bediente den Plattenspieler. Sie sah aus dem Augenwinkel zu ihm hinüber. Er beachtete sie nicht, obwohl sie extra das neue, kniefreie Hosenkleid angezogen hatte. Leider war sie erst sechzehn und es bedeutete schon eine Gnade, dass sie die Brötchen zur Bowle servieren durfte.

Er blieb einen Augenblick auf dem feuchten Gehweg stehen, um das Haus zu betrachten, ehe er es betrat. Mit den zur Seite gezogenen Gardinen an den Fenstern, der blühenden Blumenampel unter dem Vordach wirkte es einladend auf die Vorübergehenden. So sollte es sein. Zufrieden nickend wollte er die Haustüre aufschließen, als sie bereits vor ihm geöffnet wurde.

Als sie die Backofentür öffnete, stieg ein köstlich verführerischer Duft aus seinem Inneren auf und durchzog die gesamte Küche. Noch wenige Minuten, dann würde die Kruste des Auflaufs genau den richtigen Grad an Bräunung erreicht haben, den ihr Mann bei seiner Lieblingsspeise bevorzugte. Mit einem erleichterten Seufzer schloss sie den Backofen wieder. Sie sah zur Uhr. Nun war für den Erfolg des Abends nur noch entscheidend, dass er pünktlich nach Hause käme. Da er bisher nicht angerufen hatte, um sich wegen Überstunden zu entschuldigen, war davon auszugehen.

 

Eilig trippelt sie über den Gehweg, umrundet die Stellen fest getretenen Schnees. Ihre Schuhsohlen können leicht rutschen und dann wird sie sich weh tun. Mama hatte sie noch gewarnt, als sie aus dem Haus ging, um mit dem Bruder und den Freundinnen Schlitten zu fahren. „Pass schön auf, dass du dich nicht verletzt. Und zieh den warmen Mantel an." Schaudernd schlingt sie die Arme um den Oberkörper. Den Mantel hat sie vergessen und jetzt friert sie. Der Schal hilft allein nicht viel.

   

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